Freitag, 20. April 2018

20.04.2018
4. Liga (D)
Wormatia Worms - Hessen Kassel 1:1
Wormatia-Stadion (Worms)
1.080 Zuschauer (250 Gäste)
Die Saison neigt sich langsam dem Ende zu. Mit Worms und Kassel müssen zwei Regionalliga-Dinos, die seit einer gefühlten Ewigkeit viertklassig spielen, noch um den Klassenverbleib zittern. Die Wormatia hat allerdings vier Punkte mehr auf dem Konto, sodass die Gastgeber mit dem Unentschieden deutlich besser leben können, weil der KSV somit auf Distanz gehalten wurde. Dazu kam der Spielverlauf: Das eher schwache Worms erzielte den Ausgleichstreffer erst in der 89. Minute. Ein glücklicher, aber extrem wichtiger Treffer für Worms, umso bitterer für Kassel.
Auch abseits der 90-minütigen Darbietung auf dem grünen Rasen war das Auswärtsspiel ein abwechslungsreiches Erlebnis. Bei Temperaturen knapp unter 30°C begann das Spiel, während nach und nach die Gästefans eintrudelten. KSV-Vorstandsmitglieder fanden sich ebenso im Block ein wie KSV-Fans, die sich an diesem Freitag an einer Zeitreise in die 80er-Jahre versucht hatten. Der bunt gemischte Block war gut aufgelegt und unterstützte die Mannschaft so gut es ging. Zwischendurch ging hinter der Haupttribüne sehenswert die Sonne unter.
Schade, dass der spannende Abstiegskampf von der Wormser Bevölkerung nicht wirklich gut angenommen wird. Die Zuschauerzahl wurde nur durch Kasseler Mithilfe vierstellig. Das sah bei meinen vier Besuchen zuvor in Worms noch besser aus, dabei ist es doch jetzt gerade so interessant wie selten. Und dennoch würde ich auch der Wormatia den Klassenerhalt gönnen. Die Dinos dürfen eben nicht einfach so aussterben.

Freitag, 13. April 2018

13.04.2018
5. Liga (D)
Victoria Hamburg - FC Süderelbe 5:0
Stadion Hoheluft (Hamburg)
248 Zuschauer
Freitag, der Dreizehnte kann doch kein Unglückstag sein, wenn man solch ein Stadion besuchen darf! Das Stadion Hoheluft gehört zu den Kultstätten des deutschen Fußballs und erinnert ein wenig an das Poststadion in Berlin: 20er Jahre-Baustil, Schauplatz beeindruckender historischer Ereignisse wie etwa einige Länderspiele im vergangenen Jahrhundert, doch heute reicht es nur noch für Amateurfußball. Hier im Hamburger Stadtteil Hoheluft ist der SC Victoria zu Hause, der in der Oberliga Hamburg auf Rang zwei liegt.
Doch vom Aufstieg kann die Victoria in dieser Spielzeit nicht träumen: Der Verein hat keine Regionalliga-Lizenz beantragt. Deshalb spielt man nun quasi nur noch Freundschaftsspiele und ist damit nicht alleine. Auch der in dieser Saison herausragende Tabellenführer aus Dassendorf verzichtet und so geht lediglich der aktuelle Vierte, Teutonia Ottensen, in die Aufstiegsspiele gegen die Vertreter aus Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Schade, dass es soweit kommen musste mit dem Amateurfußball. Die ganze Spannung ist raus.
Das wirkt sich natürlich immens auf die Stimmung im Stadion aus. Lediglich 248 Zuschauer wollten das Spiel der Victoria sehen und obwohl es 5:0 endete, waren Emotionen eher Fehlanzeige. Man jubelte mal kurz bei den Toren, aber ansonsten gab es praktisch keine Reaktionen des Publikums auf das Geschehen auf dem Rasen, eben wie in einem Freundschaftsspiel. Dass es nur so wenige Besucher waren, lag nebenbei sicherlich auch am schlechten Wetter und daran, dass die Victoria in der Rückrunde an jedem Wochenende ein Heimspiel hat.
Die Hinrunde nutzte man nämlich, um den Rasen auszutauschen und ab sofort auf Kunstrasen zu spielen, sodass der Klub zunächst das Heimrecht tauschte und ausschließlich auswärts antrat, um dann 17 Heimspiele in Folge zu bestreiten, immer Freitagabends. Es ist aber immerhin ein schöner Kunstrasen geworden, ohne nervige Linien für andere Sportarten, sodass der großartige Charme des Stadions weiterhin absolut zu spüren ist. Hier ist man einfach gerne zu Gast und würde sicherlich auch zum Zweitbesuch nochmal vorbeikommen, wenn man mal wieder in Hamburg ist.

Mittwoch, 11. April 2018

11.04.2018
4. Liga (D)
TSV Steinbach - Hessen Kassel 1:3
Sportzentrum Haarwasen (Haiger)
1.037 Zuschauer (300 Gäste) 
Nachholspiel in der Regionalliga! Der Weg führte nach Haiger in den beschaulichen Lahn-Dill-Kreis, wo der TSV Steinbach seine Heimspiele austrägt. Landschaftlich wirklich ganz nett dort, aber es ist nicht viel los. Auf dem halbstündigen Weg vom Bahnhof zum Stadion waren die Aufkleber der großen Regionalligavereine an den Laternenpfählen des Ortes die einzigen Highlights. Das Stadion steht oben auf einem Berg mitten in der Natur. Es gibt eine Haupttribüne, die für das Heimpublikum völlig ausreicht und einen Gästeblock, der für die Regionalliga ebenfalls ausreicht.
Für Steinbach geht es in dieser Saison in der Liga um nicht mehr viel, was wohl an diesem Abend das große Glück des KSV war. Denn als es nach 60 Minuten leistungsgerecht 1:1 stand, sah man den Gastgebern an, dass sie den Abend nun ruhig ausklingen lassen wollten, während Kassel nochmal einen Gang höher schaltete, weil jeder wusste, dass nur noch Siege zählen. Und so war insbesondere das 1:2 ein Tor des Willens, als Brandner den Ball direkt vor unseren Augen ins Netz zimmerte und die 300 mitgereisten Löwen zum explodieren brachte.
Seit letzter Woche ist klar, dass Steinbach auch unser Gegner im Hessenpokalfinale wird. Das wird dann sicher schwerer, denn dass der TSV eigentlich sehr gut Fußball spielen kann, das sah man zwischendurch immer wieder. Aber hier oben DFB-Pokal? Steinbach sollte Abstand davon nehmen, das Pokalfinale gewinnen zu wollen. Mit seinen drei Dixi-Toiletten und ungefähr zwölf Parkplätzen scheint das Stadion noch nicht gerüstet für den ganz großen Fußball. Positiv überrascht wurde man nur am Bratwurststand, als man gefragt wurde, ob man die Wurst grob oder fein haben möchte. Das gibt es jedenfalls nicht so häufig.

Sonntag, 8. April 2018

08.04.2018
7. Liga (D)
DJK Flörsheim - Hellas Schierstein 0:5
Sportanlage Hauptstraße (Flörsheim)
200 Zuschauer (50 Gäste)
Heute ging es nach Flörsheim. Das ist der Geburtsort von Abdelaziz Ahanfouf und Deniz Yücel. Im Moment ist es zudem auch der Ort des Gruppenliga-Spitzenreiters. DJK Flörsheim ging in das Duell gegen Schierstein als klarer Favorit. Als Verbandsliga-Absteiger möchte Flörsheim direkt wieder aufsteigen. Deshalb rieb man sich nach einigen Minuten schon die Augen und fragte sich, ob das denn wahr sein kann, was man gerade zu sehen bekommt. Ein schlechter Film, eine Komödie, oder was war hier los? Flörsheim präsentierte sich desolat und verlor mit 0:5.
Damit waren die Gastgeber noch gut bedient. Ein weiteres Tor wurde wegen angeblicher Abseitsstellung zurückgepfiffen, zudem ließ Schierstein zahlreiche Chancen aus. Es hätte zweistellig werden können. Wie kann sowas Tabellenführer sein? Der Heim-Trainer, mit Zornesröte im Gesicht, rief sodann auch seine Einwechselspieler zurück und kommentierte das so: "Ich wechsele heute nicht. Das hat niemand verdient." Für den neutralen Zuschauer war es allerdings durchaus amüsant, die verschiedenen Gefühlswelten am Spielfeldrand mitzuerleben.
Denn die Gäste von Hellas Schierstein, die mit etwa 50 Griechen angereist waren, waren natürlich obenauf und genossen die Partie in vollen Zügen. Da zeitgleich auch der Tabellenzweite aus Höchst verlor, bleibt Flörsheim Spitzenreiter, aber auch Hellas kann sich als Fünfter noch Hoffnungen machen. Auch Unterliederbach und Weyer sind noch in der Verlosung. Mit einem schönen Stadion kann Flörsheim leider nicht punkten. Kunstrasen und drei Stufen, nichts besonderes. Wirklich gut war das kulinarische Angebot. Das Steak war perfekt durchgebraten und schmeckte vorzüglich.

Samstag, 7. April 2018

07.04.2018
4. Liga (D)
Mainz 05 II - Hessen Kassel 0:0
Bruchwegstadion (Mainz)
698 Zuschauer (250 Gäste)
Die Serie ist gerissen. Nach 46 torreichen Spielen musste ich mal wieder ein 0:0 ertragen. Normalerweise ist es in Ordnung, bei der Mainzer Reserve einen Punkt zu holen, aber angesichts der Tabellensituation und der guten Leistung war dieses Ergebnis zu wenig. Die Mainzer, zurzeit im Formtief, hatten unter der Woche den Trainer gewechselt, doch der spontane Aufschwung blieb aus. Chancen hatte nur Kassel. Genutzt wurde aber keine, auch die Flanken kamen fast nie an. Ärgerlich, denn heute schien es wirklich einfach und machbar, hier etwas mitzunehmen.
Somit bleibt es bei einem einzigen Auswärtssieg in dieser Serie und der war im August letzten Jahres. Wenn der KSV absteigt, dann liegt es daran, dass in der Fremde zu wenig mitgenommen wurde. An den Fans kann es nicht liegen: Der Gästeblock war gut gefüllt und prima aufgelegt. 90 Minuten lang wurden die Löwen nach vorne gebrüllt. Generell sind die Auswärtsfahrerzahlen wieder viel besser geworden, seitdem es wieder mal richtig um was geht. In den letzten Jahren war es im Frühjahr immer nur ein Kicken um die goldene Ananas im Tabellenmittelfeld.
Das Bruchwegstadion wird gerade zurückgebaut. Nach den Ecktribünen vor einigen Jahren musste nun auch eine Hintertortribüne dran glauben. Ein bisschen schade, aber gebraucht wurde die Tribüne schon seit Jahren nicht mehr. Weil die erste Mannschaft der Mainzer zeitgleich in Köln spielte, blieb die Zuschauerzahl wieder einmal nur dreistellig. Wo aber die ausgerufenen 698 Zuschauer gewesen sein sollen, bleibt ein Rätsel. Auf der Haupttribüne zähle ich etwa 250 Besucher, etwa ebenso viele waren es im Gästeblock.

Samstag, 31. März 2018

31.03.2018
4. Liga (D)
Hessen Kassel - Stuttgarter Kickers 3:0
Auestadion (Kassel)
2.000 Zuschauer (120 Gäste)
Vierter Heimsieg in Folge! Die große Hoffnung auf den Klassenerhalt lebt weiter, weil mit den Stuttgarter Kickers ein direkter Konkurrent geschlagen wurde, dem an diesem Samstag im Auestadion klar aufgezeigt wurde, dass Kassel im Moment deutlich besser drauf ist. Die Formtabelle spricht für den KSV, das Restprogramm auch. Nun liegen die Löwen acht Punkte hinter den Kickers, die auf dem vermutlich entscheidenden Rang 14 liegen. Der KSV hat aber zwei Spiele weniger absolviert. Es scheint nicht mehr komplett utopisch, das noch aufzuholen.
Stuttgart, das von etwa 120 Schlachtenbummlern begleitet wurde, hatte im gesamten Spiel nicht eine einzige Torchance. Kassel machte hinten einfach dicht und wurde nach vorne immer wieder gefährlich. Eins zu null durch Evljuskin, der im zweiten Heimspiel in Folge traf. Zwei zu null per Elfmeter durch Albrecht, der nach einem Foul an Dawid sicher verwandelte. Drei zu null durch Bravo-Sanchez, der gefühlvoll über den Torwart zum Traumtor schlenzte. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Gäste aber längst schon aufgegeben.
Die Stimmung war entsprechend gut und fröhlich, aber so richtig laut wurde es selten, dazu fehlten an diesem Nachmittag die Spannung und die Gänsehautmomente. Es war eher so, dass die gesamte KSV-Familie ein entspanntes Osterfest miteinander feierte. Zwischendurch kam das Maskottchen in den Block und verteilte Süßigkeiten an die Kinder. Ganz anders war die Gemütslage in der Südkurve. Die Kickers-Fans rollten einige Minuten vor dem Abpfiff schon ihre Fahnen ein und diskutierten danach noch lange mit der Mannschaft.

Sonntag, 25. März 2018

25.03.2018
11. Liga (D)
SC Lerchenberg - Vorwärts Orient Mainz 1:4
Sportplatz Lerchenberg (Mainz)
25 Zuschauer (20 Gäste) 
Dreihundert! So viele Fußballstadien habe ich mit dem heutigen Tag besucht. Und eigentlich hatte ich mir zum Jubiläum etwas besonderes ausgedacht. Entweder ein Besuch bei Hanau 93, dem ältesten Fußballverein Hessens, der in dieser Woche selbst seinen 125. Geburtstag feierte. Oder Rot-Weiß Walldorf, denn diesen Verein hatte ich im Jahr 1992 beim Spiel in Kassel als ersten Verein überhaupt in meinem Leben gesehen. Da hätte es auch ganz gut gepasst, heute einen Kreis zu schließen. Doch im Leben kommt es manchmal anders.
Jedenfalls kam ich später als erhofft in Mainz weg und dann war ja auch noch Zeitumstellung. Und so stand ich um 14 Uhr am Mainzer Hauptbahnhof und wusste: Das klappt nicht mehr. Aber das Frühlingswetter war einfach zu schön, um sich zu Hause hinzusetzen und der verpassten Chance hinterherzutrauern, also fuhr ich zu einem gut erreichbaren Alternativspiel. Den SC Lerchenberg hatte ich auch schon seit geraumer Zeit auf dem Zettel. Dass dort nur 11. Liga geboten wurde, störte mich nicht. Hauptsache ich bekam einen Platz in der Sonne.
Seit dem Bau der Mainzelbahn kann man auf Schienen den Lerchenberg hinauf fahren, worauf ich mich freute, denn so weit war ich mit der neuen Bahn noch nie gefahren. Doch ausgerechnet heute gab es Schienenersatzverkehr. Nun ja. Dennoch erreichte ich den Sportplatz pünktlich und staunte nicht schlecht: Wo waren denn die Zuschauer? Die Gäste aus dem Orient hatten 20 Leute mitgebracht, da konnte man nichts sagen, aber bei Lerchenberg zählte ich nur vier Menschen. Ich als einziger Neutraler vor Ort komplettierte zur Zuschauerzahl von 25.
Selbst bei zweiten Mannschaften gibt es doch immer noch Angehörige, die mitfahren, aber vielleicht ist in der 11. Liga dann doch irgendwie die Schmerzgrenze erreicht. Der Sportplatz ist ein besandeter Kunstrasen mit zwei flachen Stufen auf der Gegengerade, wo aber niemand stand. Zur Halbzeit führte Lerchenberg in einem ausgeglichenen Spiel mit 1:0 und gab im zweiten Durchgang das Heft plötzlich komplett aus der Hand, ließ drei Gegentreffer in zehn Minuten zu und verlor am Ende gar mit 1:4. Zehn Minuten nach Spielende holte mich der Schienenersatzverkehr wieder ab.

Mittwoch, 21. März 2018

21.03.2018
Hessenpokal - Halbfinale (D)
FC Eddersheim - Hessen Kassel 1:2
Sportplatz an der Staustufe (Eddersheim)
1.600 Zuschauer (300 Gäste)
Seit vier Monaten stand fest, dass es im Hessenpokal-Halbfinale zum Spiel zwischen Eddersheim und Kassel kommen würde und seit vier Monaten schwirrte uns allen im Kopf herum: Bloß da nicht ausscheiden! Denn auf dem Papier sah es einfach aus: Zwei Klassen Unterschied. Aber zur Realität gehörte auch, dass Eddersheim Tabellenführer ist - seit 22 Pflichtspielen ungeschlagen. Und wahrscheinlich werden sie in die Hessenliga aufsteigen, wohin der KSV als Vorletzter absteigen könnte und schon war es das mit dem Klassenunterschied. Vorsicht war also geboten.
Doch der KSV ging mit der nötigen Seriosität an die Sache. Begleitet wurde die Mannschaft von etwa 300 Fans, die die 200 Kilometer an einem Mittwochabend auf sich genommen hatten. Das waren in etwa so viele KSV-Anhänger wie an einem Samstag nach Offenbach gefahren waren, was den hohen Stellenwert des Pokals aufzeigt. Auf Eddersheimer Seite war auch jede Menge los. 1.600 Zuschauer hat man hier im Dorf auch nicht gerade jede Woche. Niemand wollte sich das Spiel entgehen lassen, bei jedem Bäcker und bei jedem Friseur hingen die Spieltagsplakate im Schaufenster.
Ist schon toll, wenn man als großer Verein angekündigt wird, Hessen Kassel als eines der sportlichen Aushängeschilder dieses schönen Bundeslands. Auf dem Rasen hatte Kassel das Spiel ganz gut im Griff, allerdings gelang im ersten Durchgang noch kein Tor, sodass es auch nach 45 Minuten im Grunde völlig offen war, wer hier weiterkommen würde. Eine gelungene Aktion könnte reichen. Und dann gab es plötzlich zwei gelungene Aktionen und es stand 2:0 für den KSV. Der Eddersheimer Anschlusstreffer kurz vor Schluss kam zu spät. Kurzes Zittern, Abpfiff, Jubeln! Nach drei Jahren steht Kassel wieder im Finale.

Donnerstag, 15. März 2018

15.03.2018
EuropaLeague - Achtelfinale
Viktoria Plzeň - Sporting CP 2:1 n.V.
Stadion města Plzně (Pilsen)
9.370 Zuschauer (400 Gäste)
Im Gegensatz zum Hinspiel, als ich mich in Lissabon aufhielt und abends einfach zum Spielort fuhr, kam beim Rückspiel richtiges Europapokal-Feeling auf, denn eine stundenlange Anreise stand auf dem Programm. Mit einem voll beladenen Auto wurde in den Osten gedüst, dort deftig gegessen und zur Stadtbesichtigung blieb auch noch Zeit. Herrlich! Abends ging es dann ins zentrumsnahe Stadion, wo die heimische Viktoria antrat, das 0:2 aus dem Hinspiel in Lissabon aufzuholen. Und ich hatte das Hinspiel gesehen und wusste: Ganz unmöglich ist das nicht.
Die Tickets hatte ich in Lissabon direkt bei Sporting besorgt und so ging es in den Gästeblock. Wo ich denn herkomme, hatte mich ein Ordner beim Einlass gefragt. Der gute Mann bekam am Abend wohl die verschiedensten Antworten, denn die Sporting-Anhänger waren nicht nur aus Portugal, sondern aus halb Europa angereist. Vielleicht 100 Grün-Weiße kamen wirklich aus Lissabon. Die Stimmung im Block war ganz gut, aber es galt dasselbe wie schon im Hinspiel: Es eskalierte nicht. Die allgemeine "Wir werden schon weiterkommen"-Stimmung hielt sich hartnäckig.
Auf der Gegenseite brachten die Fans aus Pilsen auch diesmal nicht viel zustande. Eine Kurve, die man kaum hörte und nicht einmal 10.000 Zuschauer im Stadion einer 170.000-Einwohner-Stadt. Als einzige Entschuldigung dienen die gesalzenen Ticket-Preise. 27 Euro für den günstigsten Platz, 35 Euro für den Gästeblock. Immerhin auf dem Rasen zeigte sich Pilsen verbessert und traf gleich mal zum 1:0. Sporting hätte nur ein Tor gebraucht, um die Hoffnungen der Viktoria zu zerstören, doch heute scheiterten sie teilweise dramatisch und immer wieder aus besten Positionen.
Eine Verlängerung, die es nur beim Endstand von 2:0 geben würde, wollten wir auf gar keinen Fall, denn das Auto stand auf einem beschrankten Supermarktparkplatz, der um 22 Uhr schloss und am nächsten Tag musste ein nicht unerheblicher Teil der Reisegruppe zur Arbeit. Doch natürlich kam es wie es kommen musste: 2:0 für Pilsen und Sporting scheiterte selbst per Elfmeter. Einfach nur bitter und inzwischen auch dämlich. Zum neunten Mal in meinem Leben sah ich ein Spiel in der Verlängerung, allerdings zum ersten Mal im Europapokal. Warum ausgerechnet heute?
In der Verlängerung gelang es Sporting dann plötzlich doch, ein Tor zu erzielen und endlich rastete der Block so richtig aus. Der Zahn war gezogen, Pilsen konnte nichts mehr entgegensetzen. Nach dem Spiel durchbrachen wir erfolgreich eine Polizeikette, um das Auto rechtzeitig vom Parkplatz zu retten und schon viereinhalb Stunden später erreichte ich in der tiefen Nacht den Startort, an dem wir vor 18 Stunden aufgebrochen waren. Eine Europapokaltour, wie sie im Buch steht.

Mittwoch, 14. März 2018

14.03.2018
Südwestpokal - Halbfinale (D)
TSV Gau-Odernheim - Alemannia Waldalgesheim 0:1
Sportanlage an der Petersberghalle, KR (Gau-Odernheim)
750 Zuschauer
Gau-Odernheim ist im Fußball-Rausch. Im letzten Jahr stieg man in die Landesliga auf und nun schaffte man es sogar bis ins Pokal-Halbfinale. Dort traf man auf die klassenhöhere Alemannia aus Waldalgesheim. Es gibt zwei Sportplätze auf der Anlage des TSV. Beide jedoch ohne nennenswerten Ausbau, sodass man dem Ansturm der Zuschauer kaum gewachsen war. Das ganze Dorf wollte miterleben, wie ihr TSV etwas historisches schaffen konnte. Und tatsächlich wäre ein Sieg nicht unverdient gewesen. Gau-Odernheim war mindestens gleichwertig.
Doch auch im Pokal gewinnt die Mannschaft, die mehr Tore erzielt. Und weil der TSV das Toreschießen versäumte, reichte der Alemannia ein Geniestreich kurz vor Ende der Partie, um ins Endspiel einzuziehen und vom DFB-Pokal zu träumen. Wirklich schade für Gau-Odernheim. Aber vielleicht nutzen sie ja die Gunst der Stunde, dass ihnen im Moment viele Menschen im Ort wohlgesonnen sind und bauen noch eine kleine Tribüne. Das war nämlich das einzige, was an diesem spannenden Pokalabend fehlte.

Sonntag, 11. März 2018

11.03.2018
7. Liga (P)
SL Olivais - CD Belas 1:0
Campo Branca Lucas (Lissabon)
80 Zuschauer
Ich mag Tribünen, die eher in die Höhe als in die Breite gebaut wurden. Man hat einfach einen schönen Überblick. Beim SL Olivais kam ich somit voll auf meine Kosten. Wobei: Eintritt musste ich gar nicht bezahlen. Kostenlos durfte ich den Campo Branca Lucas betreten, in dem heute ein attraktives Siebtligaspiel auf die Zuschauer wartete. Denn die Tabellennachbarn kämpfen beide um den Aufstieg in die 6. Liga. Neben der großen Haupttribüne gibt es auf derselben Seite noch einige Steh- und Sitzplätze, dazu noch hinter einem Tor einige Stehränge.
Die kleine Fanszene von Olivais hatte sich allerdings dort zusammengefunden, wo es keine Stufen gab, sondern einen Bierstand mit Imbiss. Sie standen so vor der Kneipe, dass sie kaum zu sehen waren, lediglich ihre Fahne wehte durch den Wind. Zu hören waren sie allerdings schon immer wieder. Es mögen etwa zehn Fans gewesen sein, die wohl in erster Linie zum Biertrinken gekommen waren, wie auch ihre Fahne verriet. Auf das Spielgeschehen reagierten sie nämlich gar nicht. Schade. Das wäre ein schöner Ort für eine kleine Pöbelszene gewesen.
Die Zuschauer auf der Tribüne interessierten sich schon eher für das Spiel. Die Partie war spannnend und ausgeglichen. Man neutralisierte sich und es gab nur wenige Torchancen, ein großer Kontrast zum Spiel am Vortag. Ich befürchtete lange Zeit, dass es ein torloser Nachmittag bleiben würde. Doch Mitte der zweiten Halbzeit schoss Olivais einmal beherzt aufs Tor, der Towart ließ in die Mitte abprallen, sodass ein Angreifer den Nachschuss aus etwa 20 Metern in die Ecke schlenzte. 1:0 - das reichte zum Sieg. Olivais kletterte in der Tabelle an Belas vorbei.
Wie auch in den Vortagen wechselten sich Sonne und Regen ständig ab, sodass ich während des Spiels gleich zweimal einen Regenbogen zu sehen bekam. Der Regen sorgte auch dafür, dass Teile des Stadions ziemlich unter Wasser standen. Beim schlimmsten Platzregen flüchteten beinahe alle Besucher auf die zwei Reihen VIP-Sitze ganz oben auf der Tribüne, die leider wie auch andere Teile des Stadions ziemlich zugemüllt waren. Marode und baufällig ist ja schön und gut, aber dieses Stadion hinterlässt auch den Eindruck eines ungepflegten Sportplatzes.

Samstag, 10. März 2018

10.03.2018
[U19] 5. Liga (P)
CD Olivais e Moscavide - Talaíde 7:1
Estádio Alfredo Marques Augusto (Moscavide)
60 Zuschauer
Vor drei Monaten wurde der neue Kunstrasen im Estádio Alfredo Marques Augusto verlegt. Und was für einer! Der Kontrast zwischen den hellgrünen und den dunkelgrünen Streifen ist beträchtlich, man könnte auch sagen: übertrieben. Der Naturrasen vorher passte besser zum restlichen Stadion, das einen maroden Charme versprüht und stolz von vergangenen Zeiten erzählt, als CDOM einige Jahre in der zweiten Liga spielte. Mittlerweile heißt die Realität sechste Liga und wiederum bedeutete das für mich, das Stadion guten Gewissens auch mit der U19 besuchen zu können.
Diese U19 legte dann einen Auftritt hin, der ein bisschen an das erinnerte, wonach es hier auf diesem Rasen ohnehin aussah: An ein Computerspiel. Es wurde ein komplett körperloses Hacke-Spitze-Einszweidrei mit Übersteiger in quasi jeder Szene geboten. Es schien eher ein Showkampf zu sein, den Olivais e Moscavide am Ende gegen seinen Sparringspartner mit 7:1 gewann. Und ja, auch wenn das Niveau in der fünften U19-Liga überschaubar ist und immer wieder Fehler passieren, waren einige Tricks sehr schön anzusehen und so manches Tor wunderbar herausgespielt.
Die Tragik dieses Nachmittags war allerdings, dass es trotz dieser Spielweise zwei Verletzte gab. Der erste Gäste-Verteidiger rutschte beim missglückten Versuch, ein Tor zu verhindern, mit voller Wucht gegen die hintere Torlatte. Und in der zweiten Halbzeit passierte einem weiteren Abwehrspieler genau dasselbe. Allein das zeigt, wie hier die Tore erzielt wurden: Nicht etwa draufgedroschen, sondern immer nochmal elegant den Torwart umspielt und lässig eingeschoben, sodass sich die Verteidiger noch in der Lage wähnten, das Tor durch eine Rutscheinlage zu verhindern.
Eine herrliche Randnotiz dieser Partie war übrigens, dass die einzige Rückennummer, die hier doppelt - also auf beiden Seiten jeweils einmal - vorkam, die 49 war. Ob es das wohl schonmal irgendwo gab? Die Extravaganz machte auch vor den Nummern nicht Halt. CDOM schickte fast ausschließlich 40er und 50er-Nummern aufs Feld, während bei Talaíde die Nummern von 4 bis 87 ganz gut verteilt waren. Es war jedenfalls ein unterhaltsamer Nachmittag mit einem kuriosen Spiel in einem schönen Stadion - und das alles kostenlos! Viel besser, als das Benfica-Spiel am Abend für 25 Euro zu sehen, bei dem so viel erwartbares passierte.